Kirgisistan 2006

3 Monate in Kirgisistan

Бицнез oder die freie Marktwirtschaft

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In die Bank oder zur Flamingowelt?

Schön, dass man das, was man im Studium so lernt endlich mal live erleben darf. Zwar erzählt dir jeder Wirtschaftsprofessor, das wir die gute (soziale) Marktwirtschaft haben, in der Angebot und Nachfrage die Preise bestimmen und nebenbei klopft noch Keynes an die Tür und erzählt dir was von unsichtbarer Hand, die dann irgendwie alles ins Gleichgewicht bringt. Du glaubst das dann auch und weißt es ja eigentlich auch, dass das alles ganz gut funktioniert, nur passiert das in Deutschland „im Schneckentempo“, bedeutet, dass Aldi wie jedes Jahr die Preise für den guten Cabernet Sauvignon um 1% senkt und alle anderen hinterherziehen.

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“Bizesmen” in Bischkek? Keine Zeit zum ausruhen!

Anders in Bischkek. Hier hätte jeder Wirtschaftsforscher seine helle Freude und ich will das mal aus eigener Erfahrung schreiben. Als moderner Praktikant hat man natürlich sein Handy dabei und legt sich auch ne Prepaidkarte zu, hauptsächlich um mit Schatzi daheim zu „simsen“ (eins meiner persönlichen Hassworte). Aus Deutschland kennt man das Prinzip, man kauft sich ne Sim-Karte und dann kann man die für 10, 15, oder 20 Euro (entschuldigt liebe 12-16 Jährigen, wenn ich da nicht so die Ahnung habe, ich als alter Mann habe schon einen Vertrag) aufladen. Im Kirgisistan benutzt man die „Mobicard“ die man für unschlagbare 3 Euro bekommt. Dann hat man (theoretisch) die Möglichkeit 200, 400 oder 1000 Som aufzuladen. Praktisch kann man nur die 200 Som Karte kaufen. Und jetzt wird’s interessant. Jeder Popelkiosk, jede Imbissbude und eigentlich jedes Geschäft verkauft 200 Som Guthabenkarten. Das erkennt man dann daran, dass (theoretisch) an der Tür ein Schild klebt: „Mobicard 200 Som“. Praktisch steht da 195 Som, 210 Som, 205 Som, usw., also alles nur nicht 200 Som. OK, hab ich gedacht: „Jeder wie er mag“, doch alles falsch! Hier greift das knallharte Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Ich wollte nämlich auch mal wieder eine Karte kaufen, und was sagt mir mein Händler des Vertauens? (Hier beweise ich eine 2. These und grüße damit Prof. Posselt in Wuppertal: „Kundenservice zahlt sich aus!“ – Ich gehe nämlich immer zum selben Handyladen, weil der Typ, beim Kauf der SIM Karte, echt Zeit hatte und eine exzellente Beratung gemacht hat und wir uns seitdem mit Handschlag begrüßen). Ok, also mein Händler des Vertrauens, sagt mir, dass er keine Karten hat: Lieferprobleme, aber ich kann im Nebengeschäft eine für 250 kaufen. So war es in ganz Bischkek und zur Zeit hat sich der Preis bei 230 eingependelt. Und weil ich eine Karte brauchte (Wir erinnern uns: Schatzi und SMS) musste ich halt 30 Som drauflegen. Hoffentlich hat Mobicard das bald wieder im Griff, eh ein Wunder das die es nicht schaffen ausreichend Karten zu liefern, bei variablen Kosten gegen Null…

Zum Thema sei noch gesagt: Das gleiche passiert mit Benzin, abhängig davon ob Kasachstan einen guten oder schlechten Tag hat…

Sonntag, 29. Oktober 2006 - Geschrieben von | Allgemein

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