Kirgisistan 2006

3 Monate in Kirgisistan

(Züge), Minibusse und „der wohlwollende Kirgise“

Wie kommt man in Kirgisien von A nach B? Man hat 3 Moeglichkeiten: Wenn A Bischkek (die Hauptstadt) ist und B entweder in der Sommersaison der Issyk-Kul See oder Moskau (und diverse Großstädte dazwischen) ist, dann kann man mit dem Zug fahren. Preislich ist das interessant, nur fährt halt nix. Außerdem existiert in ganz Kirgisistan ein Schienenetz von 370 km (!!!).

Minibus

Zweite Möglichkeit ist der Minibus, wie er auch in Bischkek als ÖPNV (guess what?) genutzt wird. Bevor ich diese Art den Reisens beschreibe, nenne ich noch die 3. Moeglichkeit: das Taxi bzw. Der wohlwollende Kirgise mit Auto. Wohlwollend meint in diesem Zusammenhang: Na was will der wohl, na Geld verdienen. Den wohlwollenden Kirgise erkennt man daran, dass er sofort auf einen zukommt, wenn man im Nirgendwo steht und auf den Minibus wartet und erstmal nett Smalltalk macht. Er sagt Hallo, fragt wo man hin möchte, man antwortet nett nach Bischkek und die prompte Reaktion ist: Da fährt heute nix, erst morgen wieder. Dann erklärt man ihm, dass man sich erkundigt hat (leider fehlen die Vokabeln um das argumentativ zu untermauern) aber er weiss es besser und lässt dann ganz dezent durchblicken, das er doch ein Auto hat und er einen dann bis zur Stadt X fahren würde, wo dann ein Bus fährt. Nachdem das dann langsam nervig wird kann man ihn dann nur noch ignorieren. Und was passiert dann, auch schau, dann kommt doch tatsächlich 1 Minibus! Ohh und noch einer, upps da ist ja gleich noch ein Dritter. Da muss er sich wohl gerade doch geirrt haben. Böse, böse! Arme Ausländer veräppeln wollen. Da, wie gesagt gleich 3 Buss kamen haben wir uns auch nicht mehr beeindrucken lassen, als er wolhlwollende Kirgise noch zum ersten rennt und dem Fahrer irgendwas zuflüstert und dieser dann meint, das er nicht nach Bischkek fährt. Ob seine Evil-Stille-Post geklappt hat oder der Bus wirklich nicht nach Bischkek fuhr werden wir nie erfahren.

Im Minibus

Egal, wir hatten ja den anderen Bus, der auch nur zur nächsten großen Stadt fuhr und deshalb auch viel spanender war. Warum? Es gibt 2 Arten, nein eigentlich 3 Arten von Minibussen: 1. Der Minibus von großer Stadt zu großer Stadt, sozusagen der Fernreise-Minibus. Dort nimmt man solange Passagiere mit, bis alle Sitzplätze belegt sind, und der Platz zwischen den Sitzen so gefüllt ist, dass dort noch 3,4 Leutschen auf Säcken oder so sitzen koennen. Es wird auch ein Kapazitätsmanagement betrieben um zu gewährleisten, das nach spätestens einer halben Stunde mal wieder einer aussteigt so dass alle wieder einen Sitzplatz haben. Dann gibt es die Innerstädischen Minibuss (s.o. ÖPNV), dort werden vorne, denn es gibt nur die Beifahrertür, so lange Leute reingelassen, bis hinten der erste durch’s Blech gedrückt wird. Das habe ich bis jetzt aber noch nicht persönlich genießen dürfen. Die 3. Sorte der Überland-Bus. Hier wird jeder und alles mitgenommen und diese Busse sind auch die abgewracktesten überhaupt. In besagten Bus, saß ich auf der Mittelkonsole zwischen Fahrer und Beifahrer und schaute nach hinten, leider nur 10 Minuten, dann wurde der Beifahrersitz frei und ich musste die restliche halbe Stunde auf die Straße vor uns blicken. Fehler!!! Wenn ihr jemals in so einem Bus mitfahrt, dann immer den Platz nehmen, wo man nichts von der Straße sieht. Gegen den Beifahrerplatz in einem kirgisischen Landbus ist Bungee-Jumping was für den Kindergeburtstag. Man fühlt sich so, als ob man einen Adrenalin-Injektion bekommt. Erstens kann man die Straßen mit nichts in Europa vergleichen. Es gilt das Sprichwort: Wenn ein Kirgise geradeaus fährt, muss der besoffen sein! (Weil er sein Auto durch die Schlaglöcher drischt). Dementsprechend exisitieren keine Stoßdämpfer, aber die würden bei der Überladung eh auf dem letzten Loch pfeifen. Das was am meisten kickt ist jedoch der Easy-Drift den der Busfahrer mit voller Beladung in den Kurven hinlegt. Er muss das auch tun, denn es dauert ca. 10 Minten bis der Bus auf „Keine Ahnung, den der Tacho war kaputt“ beschleunigt und die Geschwindigkeit muss gehalten werden. Bremsen is nicht dafür aber hupen. Irgendwie ist man dann doch froh, wenn man an gekommen ist.

Die Fahrt danach war das deutlich schonender für die Nerven. Die Busse sind besser in Schuss und es wird etwas defensiver gefahren, weil man es sich auch mal leisten kann zu bremsen. Als bemerkenswert hier wäre zu nennen: 300 km in 5 Stunden (Ich zitiere Igor, der uns hingefahren hat: „Deutsche, Autobahn gut, Kirgisisch Scheisse“). 1 Technokassette die ganze Zeit auf einer Box. Also bin ich jetzt nur auf einer Seite taub und 2 Tankstopps und 10 Kühlwasserchecks. Der Preis ist auch nicht zu verachten, 3 Euro. Immer wieder gern!

Dienstag, 12. September 2006 - Verfasst von m | Allgemein | | Noch keine Kommentare

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