Kirgisistan 2006

3 Monate in Kirgisistan

Die Kirgisen und das Auto(fahren)

Eigentlich sollte man ja den ersten Eindruck schildern, aber eines, was einem sofort in’s Auge fällt, sind die Autos. Vielleicht hat das auch damit zu tun, wo wir wohnen (dazu sicher später mehr), aber hier gibt es nur 2 (oder 3) Sorten von Autos: Deutsche Luxuswagen (älteren Baujahrs), Minibusse (eigentlich nur Ford Transit älteren Baujahrs) und alles andere. Die Verteilung ist gefühlte 40:50:10. Man zeigt auch gern, was man hat und so sind die Mercedes, BMW und vielleicht noch Audi 100 mit allerlei Schickschnack ausgerüstet. Obligatorisch ist dabei das Soundsystem wobei gilt, je älter die Luxuskarosse, desto stärker der Bass.

Die Minibusse sind auch einen schöne Erfindung. Da der Kirgise sich nur eine Auto leisten kann, wenn er scheinbar ein bisschen mehr Geld hat, dominieren die Minibusse als alternatives Verkehrsmittel in der Stadt. Diese fahren zu jeder Tages und Nachtzeit und haben auch Routen an der Scheibe. Haltestellen gibt es nicht, man hält, wenn man einen sieht, der evtl. in die richtige Richtung fährt, an und für 5 Som (10 cent) fährt man dann solange mit, wie man möchte. Da in die Teile unbegrenzt Leute passen, wird es vor allem im Berufsverkehr richtig schön kuschelig in den Teilen. Wenn man dann dummerweise einen Sitzplatz ergattert hat (Anm.: Dies kann aber zum Berufsverkehr gar nicht möglich sein, da in Kirgisien noch die alte Schule regiert und man als Mann selbstverständlich älteren Personen und Damen den Sitzplatz frei macht), dann sollte man spätestens 2 km vor geplanten Ausstieg schon mal langsam seinen Abgang planen, sonst lernt man auch die Außenbezirke von Bischkek kennen.

Alle anderen Fahrzeuge sind, wie gesagt, definitiv in der Minderheit, so dass diese der Vollständigkeit halber kurz erwähnt werden sollen: Alte Lada, neue Ladas (Polizei), und Ikarus Busse (Öffentlicher Nahverkehr – aber wegen der Minibusse nicht von Bedeutung). Nicht zu vergessen verkehren in Bischkek auch 2 Strech-Limousinen, mit denen man sich fotografieren lassen kann (aber dazu schreibe ich sicher noch ein eigens Kapitel)

Wie fährt man in Bischkek nun Auto? Da wir das Vergnügen hatten, mit unserer Vermieterin (in ihrer alten Mecedes E-Klasse [siehe oben!]) mitzufahren, kann ich sowohl die Sicht des Fußgängers und des Autofahrers schildern.

Als Fußgänger ist es, solange man nicht taub ist, nur zu 80% lebensgefährlich. Wie, glaube ich schon erwähnt, existieren keine Fußgängerampeln, so dass man sich an der großen Ampel orientieren muss. Diese spielt aber auch keine große Rolle denn ich glaube diese sind nur als grobe Richtlinien gedacht. Der Autofahrer fährt sowieso so weit auf die Kreuzung, das er mittig unter der Ampel steht und diese auf gar keinen Fall sehen kann. Es wird dann eine angemessene Zeit gewartet (der Kirgise hat eine Grünperiode von Geburt an im Blut) und dann wird sich hupend, aber ganz zaghaft nach vorn getastet. Jetzt müssen ebenfalls noch 2-3 kreuzende Fahrzeuge Dauer hupend mit ca. 80 die Straße kreuzen und dann darf man fahren. Nach ca. 5 Sekunden wird dann auch wirklich Grün auf der eigenen Spur. So geht das dann den ganzen Tag, aber es funktioniert.

Auf der Straße an sich existieren praktischerweise keine Fahrspuren, alleman ab und zu die Mittellinien, die auch hier allemal als Richtlinie zu verstehen sind. Der schnellere überholt (natürlich laut hupend) und so entsteht ein entspannter Fluss, der nur durch die Polizeikontrolle, die man eigentlich auch auf jeder halbwegs großen Straße findet, gebremst wird. In diesem Sinne, Gute Fahrt!

Mittwoch, 6. September 2006 - Verfasst von m | Allgemein | | Noch keine Kommentare

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